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Berge unter Sternen

Bernd Willinger und Norbert Span verbrachten in den letzten fünf Jahren über 250 Nächte in den Bergen, u. a. auch in Südtirol. Ihr Ziel war es, mit der Kamera das Farbenspiel der Atmosphäre und den Sternenhimmel einzufangen. Das Ergebnis ihrer fotografischen Entdeckungstour: einzigartige Bilder, die die Berge in ein völlig neues Licht rücken.

BERND WILLIGER
Ist gelernter Koch und hat lange in der Gastronomie gearbeitet. Seit 2008 ist der gebürtige Tiroler professioneller Fotograf. Er setzt sich intensiv mit den Spezialthemen Kugelpanorama und hyperbolisches Panorama (Little Planet) auseinander.

 

NORBERT SPAN
Studierte Meteorologie, Glaziologie und Astronomie und hat weltweite Forschungsreisen zu Gletschern unternommen. Seit seiner Jugend faszinieren ihn auch die Sterne, die er mit allen möglichen Kameras und Teleskopen fotografiert.

ALLEIN UNTER DEM HIMMELSZELT

Auch ohne Mondlicht zeichnen sich unter dem Bogen der Milchstraße, der von den Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten zur Cardini-Gruppe reicht, vielfältige Farbtöne in den Nachthimmel. Mit offenen Augen träumen fällt hier oben besonders leicht.

Herr Willinger, Sie haben gemeinsam mit Ihrem kollegen Norbert Span rund 250 Nächte auf Gipfeln und Gletschern verbracht. Würden Sie sich als Nachtschwärmer bezeichnen?
Ja, unbedingt. Mein Freund Norbert Span und ich sind keine Frühaufsteher. Jedes Mal wenn sich tolle Fotomotive erst in den Morgenstunden ergeben, ist es für uns immer ein Kraftakt aufzustehen, um die Szenerie fotografisch einzufangen.

Für Ihre Touren haben Sie jedes Mal 30 Kilo Foto- und Expeditionsausrüstung in die Berge geschleppt, bevorzugt im Winter. Wie gestaltet sich ein derartiger Aufstieg?
Meistens fahren wir mit dem Auto in die ausgewählte Region und dann geht es zu Fuß oder mit den Tourenskiern zum Standort. Eine genaue Planung ist natürlich unbedingt notwendig und wir starten nur bei sehr guten Wetterbedingungen. Um den Nachthimmel zu erkunden und zu fotografieren, ist die kalte Jahreszeit ideal. Die verschneiten Berge geben in der Nacht mehr Kontur, der Himmel ist meistens klar und ohne Dunst, der Sensor der Kamera mit hohen ISO-Zahlen ist bei Kälte rauscharmer und die schönen Wintersternbilder sind zu sehen, beispielsweise der Orion. In die Gletscherregionen geht es natürlich mit dem Lift nach oben oder wir werden mit dem Pistenbully zu unserem Standort gebracht.

Wie überstehen Sie die Kälte der Nacht?
Gegen die Kälte hilft nur eine sehr gute Ausrüstung. Spezielle Schuhe, die gut gegen Kälte schützen, eine Thermoüberhose und ein dicker Daunenanorak sind schon notwendig, um die kalten Nachtstunden ohne Erfrierungen zu überstehen. Auch beim Daunenschlafsack darf nicht gespart werden…

ALLE GUTEN DINGE SIND DREI

In den Augen von Willinger und Span bilden die Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten die ideale Startrampe für die Milchstraße. Der grüne Airglow-Streifen am westlichen Horizont verleiht dem nächtlichen Panorama einen beinahe unwirklichen Farbtupfer.

Was ist das für ein Gefühl, nachts alleine bzw. nur zu zweit in den Bergen zu sein?
Zu zweit ist es Freiheit pur. Wenn die letzten Bergsportler und Wanderer den Berg verlassen und ins Tal hinabsteigen, genießen wir die Ruhe und das Farbenspiel der Atmosphäre bei Sonnenuntergang. Das ist immer wieder ein besonderer Moment. Auch beim Fotografieren unterstützt man sich und bespricht die möglichen Motive. Mit Norbert Span habe ich einen perfekten Partner am Berg und wir haben auch sehr viel Spaß bei unseren Unternehmungen.

Sind Sie manchmal auch alleine unterwegs?  
Falls es sich aus terminlichen Gründen nicht ausgeht, sind wir auch alleine in den Bergen unterwegs. Das ist aber eine ganz andere Geschichte. Das Naturerlebnis ist noch intensiver, man geht seinen eigenen Weg und kommt auch zu anderen Motiven, die sich zu zweit vielleicht nicht ergeben. In der Nacht wird es allerdings etwas anstrengender und die Anzahl der Aufnahmen reduzieren sich. Auch die Entscheidungen bei schlechtem Wetter muss man selbst treffen, dafür ist das Gefühl im Hier und Jetzt zu sein umso größer.

LICHTER IN DER DUNKELHEIT

Nachtlager am Plateau der Sextner Dolomiten: Während der eine Kaffeewasser aufsetzt, bestaunt der andere den Himmel. In der Dunkelheit der Neumondnacht lassen sich die Sterne und die Milchstraße am besten fotografieren.

Wann und unter welchen Voraussetzungen gelingen die besten Aufnahmen des Nachthimmels?
Um die Sterne zu fotografieren, braucht es einen möglichst klaren Himmel wie nach einem Regenguss, wenig Lichtverschmutzung von Städten, Skiliften und Straßenbeleuchtungen, einen hohen Standort (ab 2000 Meter – je höher desto besser) und natürlich eine gute Fotoausrüstung (lichtstarke Objektive und eine Kamera mit hoher ISO-Performance). Wenn man die Sterne und die Milchstraße fotografieren möchte, dann sollte man das bei Neumond tun oder wenn der Mond noch nicht am Himmel steht.

Welche Technik verwenden Sie beim Fotografieren?
Ich habe mich auf die Panoramafotografie spezialisiert. Das heißt, ich mache mehrere Fotos mit einem Weitwinkelobjektiv. Anschließend werden diese Einzelbilder zu einem Panorama zusammengefügt. Damit kann ich Gebirgsketten, Landschaften und auch die Milchstraße in der Gesamtansicht darstellen.

DER BLICK NACH OBEN

Das Sternenzelt schlägt Bernd Willinger und Norbert Span in seinen Bann: Stundenlang stehen und starren sie nach oben in die unendliche Vielfalt des Nachthimmels. Umhüllt von der Atmosphäre, kann ihnen weder Kälte noch Wind etwas anhaben. Den irdischen Rahmen bildet die Cardini-Gruppe in den Dolomiten.