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Pasta à la Gross

Alexander Gross

In einem Lager in der Lanaer Industriezone nahm alles seinen Lauf. Einst brummte dort eine mannshohe Trockenmaschine, wo Alexander Gross bis zu 16 Stunden täglich verbrachte. „Man könnte beinahe sagen, dass ich hier meinen Wohnsitz hatte“, scherzt der gelernte Bäckermeister und Lebensmitteltechniker. 30 bis 40 Kilo Nudel stellte er täglich in reiner Handarbeit her, alleine versteht sich. „Der Nahrungsmittelkonzern Barilla hätte lauthals über mich gelacht…“, erklärt Gross. Er weiß, wovon er spricht, immerhin hat er selbst einige Jahre für einen international tätigen Konzern gearbeitet: „Der Beruf, den ich damals ausgeübt habe, hat mich fertiggemacht. Wie kann ich an einem Produkt arbeiten, von dem ich selbst nicht überzeugt bin?“ Ginge es nach ihm, so sollte sich jeder im Sinne der Vollwertkost ernähren. „Ich selbst bin Vollwert-Freak, da stehe ich voll dahinter!“ erklärt er, ohne mit der Wimper zu zucken.

Die Tagliatelle werden von Hand geschnitten und einzeln zurechtgelegt. Beim industriellen Verfahren erledigt eine Nestlegemaschine die Arbeit.

Kein Wunder, dass ihn die industriegefertigte Pasta nicht zufrieden stellte. „Wieso nicht selbst einen Neuanfang wagen?“, dachte er und stürzte sich in seine Idee, eigenständig „ehrliche“ Nudel auf den Markt zu bringen. Gleich zu Beginn musste er einen derben Rückschlag über sich ergehen lassen. Kühlung, Hygiene, Verpackung, Distribution und der logistische Aufwand waren nicht tragbar. „Ich musste einen einfacheren Weg finden, um die Kosten zu senken, also habe ich damit begonnen, die Pasta zu trocknen und mir einen Partner zu suchen. Das TIS (Techno Innovation Park South Tyrol) war dabei behilflich.“ Seine Hartnäckigkeit hat sich bezahlt gemacht. Mittlerweile ist Gross nach Bozen umesiedelt.

„0-km-Brot“: Von der Manufaktur im Untergeschoss bis ins Geschäft darüber.

In einem 70 bis 80 m2 großen Kellergeschoss produziert er unter dem Namen „Pastalpina“ elf verschiedene Nudel-Sorten, darunter Tagliatelle, Penne, Galletti, Trecce und Pizzoccheri. Einige davon werden aus „Regiokorn-Getreide“ hergestellt, das aus biologischer Landwirtschaft in Südtirol stammt. Die Mehlsorten reichen von Hartweizen, Buchweizen und Einkorn bis hin zu regionalen Besonderheiten wie Roggen und Dinkel. Vor „dunkler Pasta“ schrecken viele zurück, das weiß Gross. „Der Geschmack des Menschen muss sich erst wieder in diese Richtung hin orientieren“, lautet sein Fazit. Aus diesem Grund setzt der umtriebige Bäcker, der mittlerweile einen Mitarbeiter hat, u.a. auch auf Dinkel-Weißmehl, aus dem er nicht nur Pasta, sondern auch handgezogene Grissini und sogenanntes „Kellerbrot“ herstellt. Schließlich sollen seine Lebensmittel nicht nur den Vollwertfreaks und Müslitanten munden.

 

KLEINER TIPP: Wer möchte, kann Alexander Gross bei seiner Arbeit zusehen. Da er bei der Herstellung von Pasta, Grissini und Brot sehr großen Wert auf Transparenz legt, hat er seine Arbeitsstätte unter dem Genussmarkt „Pur Südtirol“ in der Dr. Julius-Perathoner-Str. 9 in Bozen als Schaumanufaktur konzipiert.