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Schwitzen im ewigen Eis

Wenn es auf 2.845 Metern Höhe so richtig heiß hergehen soll, dann „It’s time for Bella Vista“. So lautet der Spruch auf einer übergroßen Uhr mitten im Schnee, der nur zu erkennen ist, wenn man mit dem Sessellift Richtung Hintereis den Schnalstaler Gletscher hochfährt. Was das wohl bedeuten mag? Oben angekommen, hat das Rätsel ein Ende. Aus dem Schnee ragt ein Schild. Es weist den Weg zur nächstgelegenen Schutzhütte. In großen Buchstaben steht da „Schutzhütte Schöne Aussicht – Bella Vista“. Das soll „the hottest place in town“ sein?

12 Personen haben im Inneren der Fass-Sauna Platz.

Erhaben thront die Schutzhütte, die seit 1890 genau an dieser Stelle steht, auf schroffen Felsen. Bereits aus der Ferne sind die typischen weiß-roten Fensterläden und die große Terrasse zu erkennen. Noch ein paar Mal mit den Skiern Schwung holen und schon ist man am Ziel. Vor dem Eingang stehen ein kurioses, überdimensionales Holzfass und ein Holzzuber. Hier, mitten im ewigen Eis und der klirrenden Kälte, befindet sich „die höchstgelegene frei stehende Outdoor-Sauna Europas“, zumindest wird das von Paul Grüner so behauptet. Der 1,96 große Hüttenwirt ist eine imposante Erscheinung, und auch seine Ideen zeugen von Größe. 1999 übernahm der umtriebige Mann die Schutzhütte, vor ein paar Jahren renovierte er sie zu einem noblen Refugium mit 50 Betten und 15 Lagerplätzen.

Hüttenwirt Paul Grüner

Doch damit nicht genug: Er kaufte eine schwedische Holzfass-Sauna aus Finnland und ließ sie exklusiv via Sondertransport mit dem Helikopter auf den Schnalstaler Gletscher fliegen. Die Idee kam nicht von ungefähr. Mehrmals verbrachte Grüner seinen Urlaub in Lappland. Der hohe Norden, die Stille und die Ruhe erinnerten ihn an sein Zuhause im Schnalstal. Inspiriert von der finnischen Saunatradition, kaufte er kurzerhand eine sogenannte „bastutunna“, eine fünf Meter lange und 2,20 Meter breite Fass-Sauna aus Fichtenholz. 12 Personen finden auf engem Raum Platz. Da kann es ganz schön kuschelig werden… Beheizt wird die Schwitzhütte – pardon, das Schwitzfass – mit einem Holzofen, der ca. 90 Grad Wärme erzeugt. Da es auf dem Gletscher empfindlich kalt werden kann, hat Herr Grüner noch einen zweiten Elektroofen eingebaut. „Damit es auch wirklich heiß wird!“ Zur Abkühlung geht es anschließend in den nahegelegenen Holzzuber, ebenfalls aus Skandinavien eingeflogen. Dieser „Whirlpool“ mitten im Schnee erlaubt es, die wunderbare Aussicht zu genießen, die geprägt ist von der imposanten Schönheit des Schnalstaler Gletschers. Paul Grüner selbst nutzt seine Sauna eher selten. „Damit ich es so richtig genießen kann, brauche ich das Schwitzfass für mich alleine“, erklärt er mit einem Schmunzeln. Aus diesem Grund sauniert der Hausherr nur am Anfang oder am Ende der Wintersaison – ganz in Ruhe, versteht sich.

Unscheinbar, aber ganz schön heiß: die Fass-Saunas

ANSTIEGSMÖGLICHKEITEN

Fahren Sie von Kurzras im Schnalstal mit der Gletscherbahn zur Bergstation Grawand. Oben angekommen, folgen Sie der Piste Grawand bis Sie die Talstation des Hintereisliftes erreichen. Nehmen Sie den Lift bis zur nächsten Piste. Im unteren Drittel der Abfahrt halten Sie sich bitte rechts und achten auf den Wegweiser „Schöne Aussicht“. So gelangen Sie direkt zum Schutzhaus.

Starten Sie von Kurzras im Schnalstal. Von hier aus folgen Sie zunächst der Gletschersee-Hintereis-Talabfahrt nach oben. Der Verlauf der Skipiste führt Sie bis zur Station der Teufelseggbahn. Ab der „Wasserfalle“ können Sie sich entscheiden: Entweder Sie bleiben am Pistenrand oder Sie folgen dem Fahrweg Richtung Norden. Dieser führt in den Talkessel unterhalb der Grauen Wand. Halten Sie sich vor dem See links und folgen Sie Richtung Norden dem kleinen Gegensteig zur Schutzhütte. Die Tour dauert ca. 3 Stunden. Zu bewältigen sind insg. 3,7 Kilometer.

Mit entsprechender Erfahrung und Ausrüstung können Skitourengeher die anspruchsvolleren Gipfel in der direkten Umgebung, wie Similaun (3.599 m), Finailspitze (3.514 m) und Weißkugel (3.739 m), in Angriff nehmen. Außerdem liegt die Hütte am Europäischen Fernwanderweg E5, der von der Atlantikküste Frankreichs in der Bretagne über die Alpen bis nach Verona führt. Im Winter ist hierfür professionelle Begleitung durch einen Bergführer ratsam.