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Almenrausch & Alpenschmaus

In Südtirol wimmelt es geradezu von Hütten und Almen. Dabei ist eine schöner als die andere. Einen Besuch sind sie alle Wert. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hat das Welcome-Team einen besonderen Tipp für Sie. Was wir vorab schon mal verraten: Donnerstags ist dieser Ausflug besonders lohnenswert…

In den östlichen Sarntaler Alpen, zwischen Hundskopf (2.352 m) und Königsangerspitze (2.436 m) liegt ein idyllisches Kleinod: die Radlseehütte, benannt nach dem naheliegenden See, der im Sommer in seinen schönsten Blau- und Türkistönen schimmert. Und ja, Sie ahnen es: Nomen est Omen. Wer es liebt, in die Pedale zu treten, darf sich über eine anspruchsvolle Tour freuen. Der Aufstieg mit dem Bike hat’s nämlich in sich. Mit den Bergschuhen an den Füßen gestaltet sich der Höhentrip etwas einfacher. Anfangs noch durch schattige Wälder, anschließend über sonnige Almwiesen, führt die Wanderung bis unterhalb der Königsangerspitze, wo sich die Radlseehütte natürlich an den Hang schmiegt. Hier oben, auf 2.284 Metern, wird man mit einem herrlichen Blick auf die sagenhafte Dolomitenlandschaft und auf den Radlsee belohnt, der scheinbar mühelos die vorbeiziehenden Wolken widerspiegelt. Doch damit nicht genug: Wer hier Rast macht, lernt einen Hüttenwirt kennen, der sich voll und ganz der runden Sache widmet, sprich dem Knödeldrehen.

Hüttenwirt Christian Gschnitzer erfindet den Knödel neu.

Einmal die Woche, am „Knödeldonnerstag“, kommen zu den bekanntesten Variationen einige kuriose Exemplare hinzu. Seit elf Jahren führt Hüttenwirt Christian Gschnitzer diesen Brauch fort. Der Stress der schnelllebigen Welt machte ihn zum Aussteiger. Von Mitte Mai bis Ende Oktober lebt er auf der abgelegenen Schutzhütte. Auf seiner Speisekarte sind Knödel ein fixer Bestandteil. Bis zu vierzehn verschiedene Sorten stehen donnerstags auf der Speisekarte. Besonders kuriose Geschmäcker vereinen sich im „Seaknödel“. Die runde Köstlichkeit für Fischliebhaber enthält besten Räucherlachs. Serviert wird er mit buntem Wok-Gemüse auf einer schmackhaften Dill-Soße. Freunde der asiatischen Küche sollten sich für den Wok-Knödel entscheiden, der ein Geschmackserlebnis der süß-sauren Art verspricht. Wer es lieber etwas pikant mag, sollte sich auf den Tomatenknödel „alla pizzaiola“ stürzen, der Zutaten der mediterranen Küche mit alpenländischen Vorzügen vereint. Dazu noch ein passendes Gläschen Weißwein und der Alpenrausch nimmt seinen Lauf. Den krönenden Abschluss bilden Topfen-Marillen- oder Nougatknödel, serviert auf einem schmackhaften Fruchtmark. Für diese Gaumenfreuden nimmt man den knapp dreistündigen Fußmarsch gerne in Kauf. Apropos: Ruhetage sind dem tatkräftigen Knödelwirt fremd. Und weil man, wie er behauptet, „von Knödel nie genug haben kann“, dreht er die köstlichen Brotkugeln fleißig weiter. Die genaue Anzahl kennt er nicht, denn werden die Knödel gekocht, darf man sie nicht zählen, besagt der bäuerliche Aberglaube…

Anstiegsmöglichkeiten zur Radlseehütte

• Von Brixen über Pinzagen und Tils bis zum Perlungerhof in Gereuth (Parkplatz); Steig Nr. 8, ca. 2,5 Std.
• Von Feldthurns bis zum Garner Wetterkreuz (Parkplatz), Steig Nr. 10, ca. 2,5 Std.
• Von Latzfons bis zum Kühhof (Parkplatz), über den Panoramaweg ca. 2 Std.
• Von Feldthurns nach Oberschnauders (Zolerhof), Steig Nr. 18, ca. 2 ¾ Std.

Weitere Infos unter www.radlseehuette.it

Wandermöglichkeiten vor Ort
Hundskopf (2.352 m, ca. 10 Minuten)
Königsangerspitze (2.436 m, ca. 30 Minuten)
Lorenzispitze (2.483 m, ca. 3 Std.)

Übergänge zu anderen Hütten
Klausner Hütte (1.919 m) 1,5 Std. Gehzeit
Schutzhaus Latzfonser Kreuz (2.305 m) 3 Std. Gehzeit
Flaggerschartenhütte (2.481 m) 5-6 Std. Gehzeit

Schon gewusst?

Ganz genau lässt sich die Herkunft der Knödel nicht zurückverfolgen. Fakt ist: Die runde Köstlichkeit ist in den verschiedensten Esskulturen zu finden. Ebenso vielfältig sind die Zubereitungsarten. Dass der Knödel seit jeher auch eine beliebte Speise in Südtirol ist, kann man einem Fresko aus dem Jahre 1.280 in der Burgkapelle von Hocheppan entnehmen. Darauf ist eine Frau zu sehen, die aus einer Pfanne über dem offenen Feuer Knödel verspeist. Die Legende vom Tiroler Knödel besagt, dass eine Gruppe hungriger Landknechte in einen Bauernhof einfiel und nach Essen verlangte. Die unerschrockene Bäuerin trug gemeinsam mit ihrer Tochter alles Essbare zusammen, das sie finden konnte: hartes Brot, Zwiebeln, Eier, Bauchspeck und etwas Mehl. Die Zutaten vermengte sie zu einem Teig, aus dem sie Kugeln formte. Anschließend warf sie die Klöße ins kochende Salzwasser. „Diese Kanonenkugeln hauen ja die ärgsten Mannsbilder um“, sollen die Landknechte gesagt haben und zogen friedlich ab. Heute werden Knödel als Hauptgericht, Beilage, Suppeneinlage oder auch süß als Dessert serviert und sind ein wichtiger Bestandteil der Südtiroler Küche.