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Das Schaf mit der Brille

Schwarze Augenringe gelten zwar nicht als Schönheitsideal und dennoch machen sie das

Villnösser Brillenschaf, Südtirols älteste Schafrasse, zum Unikat. Zuhause ist es – wie der Name bereits verrät – in Villnöss, am Fuße der Geislergruppe. Mit seinen zahlreichen Gipfeln gehört das Gebirge zu den Ikonen der Dolomiten. Bereits seit Jahrtausenden bewirtschaften die Bauern des Villnösstals die Almen unter dem Bergmassiv. Hier tummeln sich die Brillenschafe auf den Weiden und grasen feine Bergkräuter in Höhen bis zu über 2.000 Metern. Selbst sie scheinen die beeindruckende Landschaft eines der unberührtesten und schönsten Täler Südtirols zu genießen. Kaum zu glauben, dass diese besonderen Tiere beinahe ausgestorben wären…

Das Villnösser Brillenschaf entstand bereits im 18. Jahrhundert aus der Kreuzung der alten heimischen Landschläge mit dem Bergamasker- und dem Paduaner-Seidenschaf. Die typische Zeichnung um Augen und Ohren stammen vom Seidenschaf und vom Kärntner Brillenschaf. Da zur damaligen Zeit größere Schafherden zum Verkauf über die Alpen getrieben wurden, blieben kleine Bestände zurück, die sich mit heimischen Landrassen kreuzten. Nachdem die Rasse jahrhundertelang im Tal gezüchtet wurde, fiel sie in den 1930er Jahren beinahe den nationalsozialistischen Rassengesetzen zum Opfer, welche die autochthonen Formen zu Gunsten produktiverer Rassen verboten. Nur dank des Einsatzes einiger beherzter Züchter, konnte das Überleben der Rasse gesichert werden. Dennoch schrumpfte die Zahl der Tiere rasant, sodass in den 1970er Jahren der Bestand nur noch wenige 150 Tiere zählte. Heute sorgt das wachsende Interesse seitens der Gastronomie dafür, dass die Brillenschafe wieder etwas mehr an Bekanntheit gewinnen. Doch nicht nur das zarte Fleisch, auch die Wolle dieser Tiere ist überaus kostbar, immerhin sind die Fasern besonders seidig und stabil.

Die Wolle des Villnösser Brillenschaf gilt als äußerst hochwertig.

Insgesamt gibt es heute nur circa 1.700 Villnösser Brillenschafe, wovon ein Großteil in Südtiroler Herdebuchbetrieben leben. Auch wenn diese Tiere weiterhin zu den gefährdeten Arten zählen, der Bestand hat sich in den letzten Jahren leicht erhöht. Somit gibt es Hoffnung für diese wunderbaren Wesen.

 

Schon gewusst?

Alpine Lifestyle-Mode: Südtiroler Labels setzen auf das Villnösser Brillenschaf

Lodenstoffe aus feinster Villnösser Wolle.

Einst gehörten die Lodenstoffe aus Villnösser Wolle zum Feinsten, was die Südtiroler Textilindustrie zu bieten hatte. Auch die Festtagstrachten zahlreicher Täler wurden aus dem begehrten Rohstoff gefertigt. Mittlerweile wird die wertvolle Wolle des Villnösser Brillenschafts sogar von bekannten Südtiroler Labels wie Luis Trenker und glücklich zu hochwertiger alpiner Mode verarbeitet. Sie vertrauen auf die Qualität dieser Naturfaser, die sowohl wärmeisolierend als auch atmungsaktiv ist und somit wichtige Kriterien für funktionelle und modische Bekleidung mit maximalem Tragekomfort erfüllt. Mit der neuen Herbst/Winter Kollektion 2018 ist Luis Trenker noch einen Schritt weiter gegangen: Alle Fütterungen der Linie „berg“ wurden aus der Wolle des Villnösser Brillenschafs hergestellt. Damit setzt Luis Trenker ein klares Statement und zeigt auf, wie Tradition, Nachhaltigkeit, high Performance und Qualität in der Mode eine gelungene Symbiose eingehen können. Wir sagen: Hut ab!