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Das weiße Gold aus Laas

Er ist fest, aber nicht starr. Er ist massiv, organisch und durch seine natürliche Maserung doch voller Grazie. Sein Markenzeichen: Wandelbarkeit. Der einzigartige Laaser Marmor hat eine lange Geschichte. Schon die Römer säumten die historische Via Claudia Augusta mit Meilensteinen aus weißem Gold. Heute lässt der Marmor aus Laas das Queen-Victoria-Denkmal vor dem Buckingham Palast in London erstrahlen und verleiht dem U-Bahnhof am Ground Zero in New York sein futuristisches Aussehen. Kaum zu glauben, dass dieser prestigeträchtige Marmor seinen Ursprung in einem kleinen unscheinbaren Dorf im Vinschgau hat – nämlich in Laas.

Die Marmorveredelung verleiht der Lobby des 100 Bishopsgate-Towers in London einen exklusiven Touch.

Auf den Spuren des weißen Goldes

Auf 1500 m, zwischen dichten Nadelwäldern, Almen und schroffen Felsen, verbirgt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Schatz, dessen Geschichte bis ins Erdzeitalter zurückreicht: Vor 400 Millionen Jahren lagerte sich im Norden Afrikas Kalkstein ab. Dieser war großer Hitze und gewaltigem Druck ausgesetzt. Er kristallisierte sich und kam im Zuge der Kontinentalplattenverschiebung nach Südtirol. So verwandelte sich der Kalkstein in den schneeweißen Marmor, wie wir ihn heute kennen. Lange Zeit war die Bedeutung und Kostbarkeit des Laaser Marmors nicht anerkannt. Im 19. Jahrhundert startete er dann seinen Siegeszug. Zu verdanken ist das Josef Lechner. Der Steinmetz und Marmor-Pionier war es, der den Weißwasserbruch im Jennwandmassiv in Betrieb nahm. Noch heute baut die Lasa Marmo GmbH hier im Stilfserjoch Nationalpark den reinsten Marmor der Welt ab.

Vom Berginneren ans Tageslicht

Ein weit verzweigtes Netz an labyrinthartigen Gängen und großen höhlenartigen Hallen, welches mehrere Kilometer tief ins Innere des Marmorberges dringt – das ist der alltägliche Arbeitsplatz der knapp 20 Mitarbeiter im Bruch. Seit Jahresbeginn arbeitet hier auch eine junge Steinmetzin, die erste Brucharbeiterin in der Geschichte des Unternehmens Lasa Marmo. Der Bruch selbst ist aus Sicherheitsgründen nur für Architekten, Designer oder Journalisten zugänglich. Im Rahmen einer geführten Marmor-Erlebnistour erhalten aber auch Neugierige interessante Einblicke in die Welt des weißen Naturgesteins und dessen Abbau. Während man sich früher noch mit Spitzeisen und Eisenkeilen abmühte oder durch Sprengungen schwere Verluste einbüßte, arbeitet man heute mit modernsten technischen Verfahren, um einen schonenden Abbau zu garantieren: beispielsweise mit Diamantseilsägen und Diamant-Schrämmaschinen, womit Marmorblöcke bis zu 800 t Einzelgewicht aus dem Berg geschnitten werden können. Diese werden anschließend zu kleinen Blöcken auftranchiert und auf großen Baumaschinen zur Sammelstelle vor dem Bruch transportiert. Von dort beginnt die Reise der weißen Blöcke. Mit Lastkraftwagen werden sie ins Tal transportiert.

Die Abbauhallen im Weißwasserbruch in Laas sind bis zu 30 m hoch.

Architektur und Kunst

Im Tal angekommen, wird das Rohmaterial im Marmorwerk in handelsübliche Größen zugeschnitten, feingeschliffen und auf Hochglanz poliert. Als veredelte Platten für Fassaden oder Fußbodenbeläge oder auch als ganzer Block verlässt der Marmor schließlich seine Heimat Laas und begibt sich in die Hände international renommierter Stararchitekten, Designer, Steinmetze, Künstler und Steinbildhauer. Diese hauchen dem Gestein im Bauwesen oder in der Kunst neues Leben ein, verleihen sowohl Innenräumen als auch Außenbereichen einen neuen Glanz und tragen somit ein kleines Stück Südtirol in die Welt. Aber nicht nur in der Ferne ist der Laaser Marmor gefragt, auch Einheimische schätzen die Eleganz und Ästhetik des weißen Goldes. So werden auch hierzulande Hotel-Badezimmer oder Konzerthäuser mit edlem Marmor ausgekleidet. Doch was wäre das Dorf Laas ohne die ein oder andere Spur des Wundergesteins? Das dachten sich wohl auch die Bürger. Statt auf grauem Kopfsteinpflaster wandeln sie hier auf weißem und funkelndem Pflasterboden. Hier und dort sind zahlreiche Skulpturen, Brunnen und Treppen aus dem geschmeidigen Stein gefertigt.

Ein Stein wie kein anderer

Was macht den Laaser Marmor letztlich so vielseitig und beliebt? Das Geheimnis liegt in seiner Struktur, seiner Beschaffenheit. Im Gegensatz zu vielen anderen Karbonatgesteinen ist er feinkörniger, was ihn besonders edel und wertvoll macht, sowie widerstandsfähiger. Dank des hohen Anteils an Calciumcarbonat weißt er zudem eine größere Härte als andere Marmore auf. Der Laaser Marmor ist wasserundurchlässig, frost-, tausalz- und chlorbeständig. Somit kann er sogar im Poolbereich oder für Außenfassaden bei Minusgraden verwendet werden. Nicht zuletzt zählt er zum reinsten Marmor der Welt.

Von Laas aus gelangen die massiven Marmorblöcke in die ganze Welt.
Marmorgebirge: Nicht umsonst heißt das Jennwandmassiv in der Ortlergruppe so.