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Die Alm – ein Kraftort mit Tradition

Beinahe mantraartig klingt das Glockengebimmel der Kühe auf der Alm, vermischt mit dem Blöken der Schafe. Ein Konzert im Kanon, das für Bergromantik pur steht und so alt ist wie die Landwirtschaft selbst.
Entstanden ist die Almwirtschaft aus Futternot für das Vieh. Bereits in der Jungsteinzeit, später verstärkt in der Bronzezeit, wurden die Flächen oberhalb der Waldgrenze für Weidezwecke genutzt. Im Mittelalter rodeten die Bauern unter großer Mühe gezielt Wälder, um mehr Platz für große Almflächen mit bestem Futtergras zu schaffen, den Tieren Sonne und Bewegung zu gestatten. Und so galt die Alm früher als eine Art „Jungbrunnen der Viehzucht“ und war neben der Milchwirtschaft unter anderem auch die Grundlage für die Aufzucht widerstandsfähiger einheimischer Rassen. Die steilen Bergwiesen entpuppten sich auch als ideale Futterreserven für den Winter. Auf den Feldern im Tal wurde größtenteils Korn angebaut.

Die Alm als Kraftort, Entspannungs- und Fluchtlandschaft

Ursprünglich grasten nur Jungrinder und Mastvieh für die Fleischproduktion auf der Alm. Später kam es zum Wandel und die Bauern konzentrierten sich auf Milchkühe und die Herstellung von Butter und Käse. Heute findet man auf den Südtiroler Almen, die 34 Prozent der gesamten Landesfläche ausmachen, fast ausschließlich junges „Galtvieh“, sprich nicht geschlechtsreife Tiere und nur einige wenige Milchkühe. In Zahlen gesprochen: Rund 95.000 Stück Vieh verbringen ihre Sommerfrische in den Bergen – neben Kühen auch Schafe, Ziegen und Pferde.
Würden die freien Almflächen nicht abgegrast und wieder im Wald versinken, wäre das nicht nur das Ende einer jahrhundertealten Kulturlandschaft, auch seltene und geschützte Pflanzen, Kräuter und beispielsweise Murmeltiere, die auf eine offene Fläche angewiesen sind, würden ihren Lebensraum verlieren.

Sommerfrische auf der Alm: Die steilen Bergwiesen entpuppen sich als ideale Futterquelle für Jungrinder und Milchkühe

Durch die standortangepasste Bewirtschaftung mit ihren Tieren leisten Almbauern auch einen Beitrag zum Schutz vor Naturgefahren. Die gepflegte Beweidung im Sommer verbessert die Durchwurzelung des Bodens, was ihn wiederum stabilisiert und einen gefährlichen Oberflächenabfluss des Wassers, aber auch Phänomene wie Erdrutsche vermindert. Darüber hinaus haben Almen einen hohen emotionalen Wert. Viele Menschen sehen sie als Kraftorte in der Natur, als Entspannungs- und Fluchtlandschaft, welche die hektische Welt im Tal für kurze Zeit vergessen lässt.