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Hereinspaziert in die gute Stube!

Seit jeher gilt die Stube als Inbegriff für Gemütlichkeit und Geselligkeit, vor allem in den kalten Wintermonaten. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und in St. Walburg in Ulten eine alte Stube entdeckt, die uns in ihren Bann gezogen hat. Machen Sie es sich bequem und begeben Sie sich auf eine kleine Zeitreise…

Wer die Stube im „F‘Hochhaus“ betritt, fühlt sich zurückversetzt ins 14. Jahrhundert – in eine Zeit, wo die Arbeit den Alltag bestimmte. Doch pünktlich zum Feierabend kam man unter dem Herrgottswinkel zusammen, aß die mühevoll zubereiteten Speisen und genoss anschließend die Wärme der Ofenbank. Von wegen Tagesschau und Lieblingskrimi: Damals wurden noch Geschichten erzählt! Und auch heute ticken die Uhren an diesem historischen Ort etwas langsamer… Grund genug, sich von unserer Foto-Reportage inspirieren zu lassen und auch die eigene innere Uhr etwas zurückzustellen, um dem unaufhaltsamen Sog der Zeit zu entfliehen. Probieren Sie es aus!

Das „F’Hochhaus“ in Ulten, errichtet im 14. Jhdt. n. Chr.

Die Stube gilt als Herzstück eines Bauernhofes. Hier versammelten sich Familie und Freunde, um Wärme und Geborgenheit zu finden. Typische Elemente sind der Ofen, der Esstisch mit einer bequemen Eckbank und der Herrgottswinkel.

Beim Betreten einer Stube ist der Herrgottswinkel stets im Blickfeld.

Die Stube war früher der einzige beheizte Wohnraum eines Bauernhauses und somit der Hauptaufenthaltsort der Bewohner.

Um Rauch und Gerüche fernzuhalten, war eine Verbindungstür zwischen Küche und Stube selten. Stattdessen wurde eine „Durchreiche“ genutzt – eine Öffnung in der Wand, die das Servieren der warmen Speisen ermöglichte.

Bube, Dame, König, Ass: Schon früher wurde wie wild „gezockt“ – am liebsten bei einer guten Marende mit Brot, Speck, Käse und einem Glas Wein. Der Beweis: Im „F’Hochhaus“ in Ulten sind 21 spätmittelalterliche bzw. frühneuzeitliche, handgemalte Karten des „Ulm-Münchner-Typus“ ans Tageslicht gekommen. Neben jenen von Fließ bei Landeck gehören sie zu den ältesten noch erhaltenen Spielkarten Tirols. Darüber hinaus wurden auch alte Spielwürfel und Münzen gefunden.

Seltene Fundstücke: handgemalte Karten, Münzen & Spielwürfel.

Würzen, räuchern, reifen: Auf vielen Südtiroler Bauernhöfen wird noch heute Speck geräuchert. Hierfür wird in der „Selchkuchl“, sprich in der Räucherküche, ein rauchendes Feuer entfacht, das dem Fleisch ein besonders Aroma verleiht. Es wird abwechselnd geräuchert und luftgetrocknet. Davor wird die Hamme gepökelt. Die Gewürzmischung besteht in der Regel aus Pfeffer, Wacholder, Majoran und Lorbeer, aber jeder Bauernhof hat seine spezielle Rezeptur, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

 

Sehenswert: Das F’Hochhaus“ gehört zum Dokumentationszentrum „Culten“ in St. Walburg, das u.a. spannende Einblicke in die Siedlungsgeschichte des Ultentals gibt. Weitere Infos unter www.culten.it