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Geschichte in Stein gemeißelt

Eine Erkundungstour durch Südtirol kann sich schnell als Zeitreise entpuppen. Rund 800 Burgen, Schlösser, Ansitze und Ruinen kennzeichnen die Landschaft und ermöglichen einen Sprung in längst vergangene Tage. Noch heute beflügeln die Geschichten von Rittern, Burgfräuleins, Grafen und Bischöfen die Fantasie. Hinter den alten Gemäuern erwachen sie wieder zum Leben.

Wie in ganz Europa wurden auch in Südtirol Burgen und Schlösser in großer Zahl gebaut. Viele sind noch heute gut erhalten und können besichtigt werden. Besonders das Burggrafenamt, die Gegend um Meran, wird seinem Namen gerecht. Jedes Schloss dort erzählt seine eigene Geschichte. So auch Schloss Tirol. Seine Entstehung reicht zurück bis ins 11. Jahrhundert. Heute beherbergt die Residenzburg der Tiroler Landesfürsten das Museum für Kultur- und Landesgeschichte. Besucherhighlights sind die von lombardischen Steinmetzen hergestellten romanischen Portale, die mittelalterliche Kapelle, der Rittersaal, das Verlies im Bergfried und das getäfelte Mushaus.

Ganz in der Nähe befindet sich Schloss Trauttmansdorff, eingebettet in den gleichnamigen botanischen Gärten von Meran. Seine Bekanntheit verdankt es der Österreichischen Kaiserin Elisabeth, die das Schloss aufgrund der sonnigen und windgeschützten Lage als Winterdomizil nutzte. Ihre ehemaligen Wohn- und Aufenthaltsräume sowie originale Exponate können heute noch besichtigt werden. Die historischen Gemäuer beherbergen auch das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus.

Erhaben thront Schloss Tirol über das Meraner Land

Eine der mächtigsten und besterhaltenen Burganlagen in Südtirol befindet sich in Schluderns. Erhaben thront die Churburg über dem Vinschgau. Die Rüstungskammer genießt Weltruf und enthält mehr als 50 maßgeschneiderte Rüstungen und Harnische, aber genauso Waffen wie etwa Armbrüste und Streitäxte. Die Rüstungen stammen fast ausschließlich aus Mailänder oder Innsbrucker Plattnerwerkstätten und beeindrucken durch ihre äußerst abwechslungsreiche Gestaltung – in einem Fall aber auch durch die Größe: Der Besitzer, Ulrich IX, muss ein Riese gewesen sein. Seine Rüstung aus dem Jahr 1450 überragt mit imposanten 2,10 Metern Höhe und einem Gewicht von 45 Kilogramm alle anderen bei weitem. Deutlich märchenhafter ist der Arkadengang der Churburg. Über das Gewölbe rankt sich anmutig der Stammbaum der Burgbesitzer – die Vögte von Matsch und die Grafen von Trapp –, verziert mit philosophischen Sprüchen, Fabeltieren, Fantasiegestalten und Hofnarren.

Genauso sehenswert ist Schloss Juval, das sich an einem prähistorischen Kultplatz auf einem Hügel am Eingang des Schnalstales befindet. Seit 1983 ist es in Besitz von Bergsteigerlegende Reinhold Messner, der hier in seiner Abenteuer-Bibliothek Bücher schreibt und an neuen Ideen arbeitet. Tibetische Sagenfiguren heißen Besucher am Eingang willkommen und kündigen an, was hinter den Mauern verborgen liegt: eine umfangreiche Tibetika-Sammlung, eine Bildergalerie zu den heiligen Bergen der Welt und eine Maskensammlung aus fünf Kontinenten. Bei einer Fahrt durch den Vinschgau kommt man an zahlreichen weiteren Burgen, Schlössern und Ruinen vorbei. Besonders nennenswert ist die Fürstenburg in Burgeis, im 13. Jahrhundert als Sitz der Fürstbischöfe von Chur erbaut. Sehenswert ist der gewaltige Bergfried mit seiner drei Meter dicken Mauer. Im Inneren sind noch heute die Fürstenzimmern mit ihren Täfelungen und Kassettendecken zu bestaunen.

Von einer bewegenden Geschichte erzählt auch Schloss Sigmundskron, das vor Bozen erhaben über den Zusammenfluss von Etsch und Eisack thront. 1957 fand hier die größte Protestkundgebung in der Geschichte Südtirols statt. Über 30.000 Südtiroler versammelten sich in der Burganlage, um gegen die Nichteinhaltung des Pariser Vertrages zu protestieren und eine eigenständige Autonomie zu fordern. Heute beherbergt das Schloss das Messner Mountain Museum Firmian, das sich mit der Beziehung Mensch-Berg auseinandersetzt. Ein weiteres kunsthistorisches Juwel ist Schloss Runkelstein am Eingang des Sarntals. Errichtet wurde es ab 1237 von den Brüdern Friedrich und Beral von Wangen. 1385 erwarben die Brüder Niklaus und Franz Vintler, Angehörige einer reichen Bozner Kaufmannsfamilie, das Schloss und ließen es mit Fresken ausmalen. Sie erzählen von Sagen und Legenden. So zum Beispiel von König Artus, den Rittern der Tafelrunde oder Tristan und Isolde, von Lanzenturnieren, Rittern und Hofdamen. Historiker sprechen vom größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters.

Die Burg Hocheppan war einer der mächtigsten Adelssitze in Südtirol

An Bekanntheit gewonnen hat auch das Eppaner Burgendreieck, bestehend aus Burg Hocheppan, der Burgruine Boymont und Schloss Korb. Sie liegen alle am Fuße des Gantkofels und können bei einer dreistündigen Rundwanderung besucht werden. Unter den zahlreichen erhaltenen Burgen Südtirols zählt Hocheppan durch ihre besondere Lage und Schönheit zweifellos zu den eindrucksvollsten Zeitzeugen aus dem Mittelalter. Erbaut wurde sie um 1130 von Graf Ulrich II. Schon damals war es einer der mächtigsten Adelssitze in Südtirol. Besonders eindrucksvoll ist der Bergfried mit seiner fünfeckigen Form, der zeitweise noch aus dem 12. Jahrhundert stammt. Höhepunkt in kunsthistorischer Hinsicht ist die Burgkapelle mit ihrem wertvollen romanischen Freskenzyklus. Sie wird auch die „Sixtinische Kapelle der Alpen“ genannt.

Zu den interessantesten Festungen im Alpenraum zählt die Franzensfeste. Bei einer Fahrt durch das Eisacktal ist sie wohl kaum zu übersehen. Mit ihrem gigantischen Erscheinungsbild und Labyrinth aus Räumen, Gängen und Treppen gilt sie als Meisterwerk der Festungsarchitektur. Sie wurde in den Jahren 1833 bis 1838 unter Kaiser Ferdinand I. erbaut und sollte die Sicherung der Verkehrsverbindung durch das obere Wipptal über den Brenner sein. Obwohl sie auch dafür gedacht war, wurde die Festung nie in kriegerischen Ereignissen verwickelt. Vermutet wird aber, dass während des Zweiten Weltkrieges hinter den dicken Mauern der Goldschatz der italienischen Nationalbank versteckt gehalten wurde.

Die große Stube in der Trostburg bei Waidbruck

Vom Krieg zur Kultur: Wer sich auf die Spuren des Sängers und Dichters Oswald von Wolkenstein begeben möchte, sollte die Trostburg oberhalb von Waidbruck besuchen. Auf einem großen Felsvorsprung sitzt die Burganlage, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. 600 Jahre lang war sie in Besitz der Grafen von Wolkenstein-Trostburg. Sie sind die Vorfahren des spätmittelalterlichen Komponisten Oswald von Wolkenstein, der hier aufgewachsen ist. Vor Ort gibt es romanische Tür- und Fensterbögen, prunkvolle Säle und Getäfel, Einrichtungsgegenstände aus der Renaissance und die größte Weinpresse Südtirols zu bestaunen.

Wie aus einer Filmkulisse entsprungen, mutet hingegen Burg Taufers an. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie im 13. Jahrhundert. Sehenswert: die große Wehranlage mit Waffen- und Folterkammer, die mit Fresken geschmückten Räumlichkeiten, die beinahe alle mit Kachelöfen beheizbar waren, die Bibliothek, der Gerichtssaal, das Gefängnis und die Burgkapelle. Aus ungefähr derselben Zeit stammt Schloss Bruneck. Der Bauherr, der Brixner Bischof Bruno von Kirchberg, nutzte die Schlossanlage als Zufluchtsort und Bollwerk. Ab 1899 wurde das Schloss immer wieder als Sommerresidenz der Fürstbischöfe genutzt. Heute gehört es zu den Messner Mountain Museen und erzählt im Inneren die Geschichte von Bergvölkern aus aller Welt.